7 neue Nachrichten - WhatsApp im Streit

Aktualisiert: Feb 3

Am Dienstag habe ich nach einem zweistündigen Termin mein Handy aus dem Flugmodus befreit und hatte 84 neue Nachrichten auf WhatsApp. Das ist nicht so ungewöhnlich, denn meine Mädels und ich übertreiben manchmal etwas. Wir teilen alles Mögliche miteinander – Erfolge im Job, anstrengende Momente mit den Kinder, enttäuschende Begegnungen mit neuesten Eroberungen und manchmal einfach nur Unbedeutendes aus dem Alltag. Wir genießen unseren Chat! Außerdem habe ich natürlich noch weitere Chats: den Family-Chat, den nur mit den Kindern, mit den Internatsfreundinnen, mit den Kolleginnen und so weiter. Viele Chats, in denen lustige Emojis und neuerdings Memojis durch die Welt geschickt werden.


Diese WhatsApp-, Telegram- oder sonstige Chats haben aber natürlich auch eine dunkle Seite. Neben der Besorgnis der Überwachung des gläsernen Bürgers, spielen sie vor allem in meiner Arbeit als Mediatorin eine immer größere Rolle. Im Streit geht es um angekratzte Beziehungen, Missverständnisse und Fehlinterpretationen aufgrund von gestörter Kommunikation. Fehlendes Nachfragen und das eigene Gedankenkarussell lassen uns im Teufelskreis die Spirale herabrutschen. Die Chats katapultieren die Konflikte oftmals gleich um mehrere Konfliktstufen nach unten. Im Schnitt berichten in jeder zweiten Mediation die Streitenden was passiert, wenn Neben-Chats ins Leben gerufen werden, in denen nur ein Teil der Kollegenschaft involviert ist. Hinter dem Rücken Einzelner oder kleiner ausgegrenzter Grüppchen schlittert die Kommunikation rasend schnell immer weiter auf die schiefe Bahn. Die gebildeten Allianzen verschärfen sich durch das Tempo, in dem die Finger über das Display gleiten und die Denunziation des Gegners vorantreiben. Da wird schon mal Andrea als hinterlistige Bitch und Thomas als fauler Sack beschimpft, was natürlich nicht ausgesprochen wird und schon gar nicht dem Kontrahenten offen ins Gesicht gesagt. Einmal geschrieben und von den anderen gelesen, wirkt es aber nachhaltiger, als in der Teeküche dem Vertrauten hinter vorgehaltener Hand zugeraunt. Ähnlich wie diese Büro-Chats funktionieren auch Eltern-Chats. Kaum ist das Kind in der Kita abgegeben, schon Britta und Simone per Sprachnachricht davon in Kenntnis gesetzt, was an diesem Morgen alles bei den Erzieherinnen, bei der Familie Mahler oder dem kleinen Lennard schief läuft.


Ebenso unschön, aber oft praktiziert sind „besser-wissende“ oder verletzende zweier-Konversationen auf den Messenger-Diensten. Endlich kommen die Kinder nach einer Mama-Woche wieder bei Papa an und zeitgleich surrt das Telefon. 7 neue Nachrichten mit Anweisungen, Ermahnungen oder auch einfach nur mit platten Vorwürfen ploppen auf. Schließlich sind die Kindern nun gerade nicht da und es scheint der richtige Zeitpunkt, dem Erzeuger noch etwas mitzuteilen. Dann stellt sich dann die Frage: Gegenhalten? Ignorieren? Den anderen Blockieren? Egal wie die Entscheidung ausfällt, es wird bestimmt nicht besser dadurch. Eine gängige (Zwischen-)Lösung in Mediationen lautet inzwischen: „Wir schreiben keine Nachrichten mehr, sondern rufen uns an, wenn es etwas Wichtiges gibt.“


Letzten Endes gibt es auch noch die nicht-Kommunikation in Anlehnung an Paul Watzlawick. Neben dem Abbruch der aktiven Kommunikation durch einen schlichten Rauswurf aus einem Chat (was nicht so oft vor kommt) höre ich immer wieder von der Wüste des Handyempfangs. „Tut mir leid, ich war das ganze Wochenende auf dem Land und wir hatten überhaupt keinen Empfang - sonst hätte ich doch geantwortet…“ Sicherlich lässt der Netzausbau auf 5G noch auf sich warten, aber dass es so viele Lücken im Netz gibt wie in Streitgesprächen behauptet, ist schon merkwürdig. Insbesondere, wenn zeitgleich fröhliche Fotos auf Facebook gepostet werden oder die Insta Story im Stundentakt auf den neuesten Stand gebracht wird. Das bekommen die Streitenden natürlich auch nicht unbedingt direkt mit, aber alte gemeinsame Freunde lassen diese Infos gerne nebenbei mal fallen.


Und was hilft dagegen? Was immer hilft: Miteinander reden! Allein, mit Vertrauten oder mit Profis. Hier finden Sie passende Mediatoren: https://mediatorbase.com/




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