Vor 22 Jahren hatte meine Mutter eine Idee für mich
- Zoë Schlär

- 15. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Damals steckte ich in einer tiefen beruflichen Krise. Ich war arbeitslos, fühlte mich orientierungslos und wusste nicht so recht, wie es weitergehen sollte. In schwierigen Situationen suche ich noch heute den Rat meiner Mutter, und auch damals war sie es, die eine Idee für mich hatte: „Mach doch eine Mediationsausbildung. Das passt zu dir.“ Sie hat mich nicht nur ermutigt, sondern auch finanziell dabei unterstützt. Ohne sie wäre ich diesen Weg wahrscheinlich nicht gegangen.
Heute bilde ich seit vielen Jahren selbst Mediatorinnen und Mediatoren aus. Dabei fasziniert mich immer wieder, wie unterschiedlich die Menschen sind, die sich für eine Ausbildung entscheiden.
Da sind diejenigen, die die Ausbildung vor allem für sich selbst machen. Sie möchten sich selbst und andere Menschen besser verstehen, Konflikte früher erkennen und lernen, Gespräche auch in schwierigen Situationen konstruktiv zu führen. Es geht ihnen nicht darum, sich beruflich neu zu orientieren, sondern um die persönliche Weiterentwicklung.
Andere möchten die Kompetenzen ganz gezielt in ihrem Beruf einsetzen. Das sind häufig Führungskräfte, Menschen aus HR oder People and Culture, aber auch Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen und die Zusammenarbeit in ihrem Team aktiv verbessern möchten. Diejenigen, die ihren Kollegen und Kolleginnen sowieso schon viel zuhören und intuitiv bereits vermitteln.
Dann gibt es Menschen, die sich beruflich verändern möchten. Sie suchen ein zweites Standbein oder eine neue, sinnvolle Aufgabe, hauptberuflich oder im Ehrenamt, bei der sie einen echten Unterschied machen können. Sie möchten Selbstwirksamkeit spüren, denn in einer so leistungsorientierten Gesellschaft wie der unseren ist, kommt die Sinnstiftung oft zu kurz.Und schließlich kommen Coaches, Trainerinnen, Trainer sowie Beraterinnen und Berater, die ihr Portfolio erweitern und ihre Arbeit um fundierte Mediations- und Konfliktkompetenz ergänzen möchten. Sie merken, dass die Prozesse, die sie begleiten oft von Konflikten beeinflusst werden und möchten damit professionell und nachhaltig umgehen.
Was mich dabei wirklich freut, ist, dass es in allen vier Gruppen immer wieder Teilnehmende gibt, die während der Ausbildung merken, dass Mediation für sie viel mehr ist als eine zusätzliche Kompetenz. Manchmal entwickelt sich daraus auch ein neuer Beruf, manchmal sogar eine Berufung - wie bei mir damals 😊 Mediatorin oder Mediator zu sein bedeutet für mich, Wirksamkeit zu erleben, Menschen dabei zu begleiten, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, gegenseitiges Verstehen zu ermöglichen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Genau deshalb bilde ich so gern aus, nicht weil alle später als Mediatorin oder Mediator arbeiten müssen, sondern weil Konfliktkompetenz Menschen stärkt und überall dort einen Unterschied macht, wo Menschen.
















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