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Freundschaft

Nähe muss nicht Übereinstimmung bedeuten


Manche Freundschaften tragen eine lange Geschichte in sich, wie ein Raum, den man jederzeit wieder betreten kann. Man kennt sich seit der Schulzeit, hat sich durch Lebensphasen begleitet. Und doch gibt es dieses leise Stolpern, wenn die Gegenwart nicht mehr so selbstverständlich geteilt wird wie früher.


Die Reibung zeigt sich selten in großen Lebensfragen, sondern im Alltäglichen: beim Essen, wenn Tierwohl der einen etwas ganz anderes bedeutet als dem Grillabend der anderen. In Begriffen, die beiläufig fallen und Irritation auslösen. In politischen Haltungen, die weniger in Extremen liegen als in der Art, wie auf Veränderung oder Sicherheit geschaut wird. Plötzlich sitzen zwei vertraute Menschen nebeneinander, die sich in diesen Fragen fremd geworden sind.


Danach bleibt oft die Frage, ob das noch passt. Gerade weil diese Beziehungen so lange bestehen, wird sie schnell schwerer gemacht, als sie ist. Es braucht dafür keinen Beratungskontext, eher ehrliches Nachdenken mit Abstand – nicht als endgültige Entscheidung, sondern als wiederkehrende innere Sortierung: Wozu treffe ich diesen Menschen eigentlich noch?

Denn da ist auch das andere: die gemeinsame Geschichte, die niemand sonst teilt, das Wiedererkennen früherer Versionen des eigenen Lebens, die Momente, in denen man miteinander lacht und alles wieder leicht wird. Das ist oft der Kern von Freundschaft.


Vielleicht liegt ihr Wert gerade darin, dass sie nicht nur bestätigt, sondern auch herausfordert. Nähe bedeutet nicht zwingend Übereinstimmung. Solange es diese echten Begegnungen gibt, bleibt etwas bestehen, das sich nicht ersetzen lässt – nicht trotz der Unterschiede, sondern neben ihnen.


Zwei Freundinnen im Gespräch in einem Café, draußen regnet es.
Wer sich nahe ist, muss nicht (immer) einer Meinung sein.

Meine vollständige Kolumne finden Sie unter: https://www.cremeguides.com/zeitgeist/freundschaft/

 
 
 

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