top of page

KI-Lernbegleiterin in der Mediationsausbildung

vor 6 Tagen
2 Min. Lesezeit

Ich beschäftige mich gerade ziemlich intensiv mit einer Frage, die mich zunehmend begeistert: Wie kann KI eine Mediationsausbildung sinnvoll begleiten, ohne das zu ersetzen, worauf es in der Mediation eigentlich ankommt, nämlich echte Begegnung, Wahrnehmung, Beziehung und die Fähigkeit, mit Menschen in schwierigen Situationen präsent zu bleiben?


Für meine Mediationsausbildung, die im Januar 2027 startet, entwickle ich deshalb gerade eine eigene KI Lernbegleiterin. Sie soll vor allem dort zum Einsatz kommen, wo Ausbildung sonst oft an eine Grenze kommt: zwischen den Modulen. Denn Mediation lernt man nicht dadurch, dass man einmal etwas über Spiegeln, Reframing, Interessen und Bedürfnisse oder Konfliktdynamiken gehört hat. Man lernt sie durchs Ausprobieren, durch Wiederholen, durch Fehler, durch Reflexion und vor allem dadurch, dass man die eigene Haltung immer wieder überprüft. Genau dafür soll die Lernbegleiterin einen zusätzlichen Raum schaffen. Die Teilnehmenden können mit ihr Fälle durchspielen, Gesprächssituationen üben, Formulierungen ausprobieren, sich herausfordern lassen oder eine schwierige Situation aus dem letzten Modul noch einmal aufgreifen. Und sie können das dann tun, wenn sie Zeit und Lust darauf haben und so oft, wie sie möchten.


Besonders spannend finde ich, dass es dabei nicht einfach um eine KI geht, die möglichst kluge Antworten auf Fragen zur Mediation gibt. Ich bringe ihr gerade mein Verständnis von Mediation bei. Wir arbeiten mit Fällen und ich korrigiere sie, wenn sie zu schnell Lösungen anbietet, vorschnell interpretiert, die Verantwortung der Konfliktparteien übernimmt oder Allparteilichkeit mit Neutralität verwechselt. Sie muss lernen, dass ein Vorwurf noch kein Mediationsthema ist, dass hinter Positionen Interessen und Bedürfnisse liegen können, dass Beziehung und Struktur unterschiedliche Ebenen sind und dass manchmal die beste Intervention darin besteht, nicht sofort weiterzumachen. Kurz gesagt: Sie soll nicht nur Methoden kennen, sondern die Haltung verstehen, aus der heraus wir sie einsetzen.


Und während ich ihr das alles beibringe, passiert etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Ich lerne selbst ziemlich viel. Denn eine KI zwingt mich dazu, Dinge explizit zu machen, die ich nach über zwanzig Jahren Mediation oft intuitiv tue. Warum frage ich an dieser Stelle weiter und an einer anderen nicht? Warum würde ich eine vermeintlich gute Lösung gerade nicht aufgreifen? Woran erkenne ich, dass wir noch nicht bei den Interessen angekommen sind? Und was genau meine ich eigentlich, wenn ich von Allparteilichkeit oder Lösungsabstinenz spreche? Das einer KI so präzise erklären zu müssen, dass sie damit arbeiten kann, ist eine erstaunlich gute Form der Selbstreflexion.


Ich glaube nicht, dass KI das Lernen in der Gruppe, Rollenspiele, Supervision oder die unmittelbare Rückmeldung eines Menschen ersetzen kann. Das soll sie auch gar nicht! Aber sie kann etwas ergänzen, das bisher nur begrenzt möglich war: jederzeit weiterüben, Fragen stellen, ausprobieren, scheitern, noch einmal anfangen und dabei das eigene Denken und Handeln reflektieren. Für die Teilnehmenden bedeutet das mehr Lernraum zwischen den Modulen. Und für mich bedeutet es gerade, mein eigenes Mediationsverständnis noch einmal sehr genau unter die Lupe zu nehmen.


Beides gefällt mir ziemlich gut.


Und passend dazu hat mir die KI ein Bild dazu generiert:



 
 
 

Kommentare


bottom of page